Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
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Wenn Schuldfried in zarter Jugend das Talent beſeſſen hatte zu erfreuen und aufzumuntern, alle düſtern Gedanken zu verſcheuchen und lichte hervor⸗ zurufen, ſo beſaß ſie dieſe Eigenſchaft jezt in noch höherem Grade.

Ihr Blick und alle ihre Worte gaben die innige Befriedigung über dieſes Zuſammentreffen mit ihren theuern Freunden kund. Jezt wie früher verbreitete ihre Freudigkeit in ihrer ganzen Umgebung Wohlge⸗ fallen. Tages im Anfang etwas gezwungenes und aufgeregtes Benehmen machte bald einer vollkommen heitern und unbefangenen Stimmung Plaz. Nach einer Stunde war es ihm als ſeien die ſechs Jahre nur ein Traum geweſen, ſo vollkommen fühlte er ſich in die frühern frohen Zeiten zurückverſezt.

Man ſprach im Anfang von der Vergangenheit, dann ſtellte Schuldfried allerlei Fragen, zuerſt über Tante Sara, dann über Tage und ſeine Lebensſchickſale. Tage ſprach von den Reiſen die er gemacht hatte, und bemerkte endlich mit einer eigenthümlichen Schärfe in der Stimme:

„Ich war mit bei der Expedition welche die Fre⸗ gatte Carolina vor zwei Jahren machte. Ich war in Neapel.“

Schuldfried fuhr zuſammen und ſah Tage an, indem ſie rief:

„Du! Du!“

Dieſes Geſpräch erinnerte Tage an all die feind⸗ ſeligen und ſchlimmen Gedanken welche der Brief an Lothar in ihm hervorgerufen hatte. Ihr Aus⸗ druck ſpiegelte ſich in ſeinem Geſichte zurück. Schuld⸗ fried betrachtete ihn mit ängſtlich forſchendem Blick.

Schwartz, Schuld und Unſchuld. III. 4

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