Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
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daß es doch ſehr bitter ſei Enochs Kind unter ſol⸗ chen Verhältniſſen wieder finden zu müſſen.

Nach der Mahlzeit hatte Aberney zu Tage kein Wort von einem Beſuche bei Schuldfried geſagt. Abends gegen fünf Uhr ergriff der Profeſſor ſeinen Hut um auszugehen. Sara hatte ſich in ihr Zim⸗ mer eingeſchloſſen. Es kam ihr Alles ſo wunderlich vor, daß ſie ihre gewöhnliche Gemüthsruhe gänzlich verlor. Als Aberney in den Salon hinauskam, fand er dort Tage in der ſorgfältigſten Beſuchs⸗ toilette.

„Du haſt Dich alſo zu einem Beſuch bei Sieh entſchloſſen?“ fragte der Profeſſor gleich⸗ giltig.

„Ja, wenn Dus erlaubſt, Papa,“ antwortete Tage, während er ſich bemühte ruhig zu erſcheinen.

Etwas ſpäter traten Vater und Sohn in die Wohnung der Sängerin. Als die alte Franzöſin ihnen öffnete, bedurfte Tage mehrere Secunden um ſo viel Macht über ſich zu gewinnen, daß er Aber⸗ ney in den Salon folgen konnte, wo Schuldfried ihnen entgegen kam. Tage war an der Thüre ſtehen geblieben, außer Stand ihr einen Schritt entgegen⸗ zugehen. Er war zugleich erſchüttert und überraſcht. War dieß die vielgerühmte Sängerin die er geſtern auf der Bühne geſehen? Nein, es war ja dieſelbe Schuldfrieb, mit welcher er als Junge geſpielt, für die er als Jüngling geſchwärmt hatte; daſſelbe Lächeln, derſelbe freudeſtrahlende Blick, dieſelbe be⸗ zaubernde Einfachheit und ungeſuchte Anmuth.