37 zu beſorgen habe; nachdem ſie ſodann dieſen Be⸗ trachtungen einiges Weitere über Mägde und Markt⸗
preiſe beigefügt, war das Geſpräch im vollen Gang und man hatte das große Feld, die Angelegenheiten der Nebenmenſchen, vor ſich.
„Warſt Du geſtern im Theater?“ fragte Frau F.
„Nein, meine Liebe, ich beſuche ſolche närriſche Orte beinahe nie,“ antwortete Sara etwas ſcharf. „In meinem Alter weiß man ſich anders zu zer⸗ ſtreuen.“
„Aber, meine liebe Freundin, Du weißt ja daß die fremde Sängerin zum erſten Mal auftrat. Ich als muſicaliſch wäre untröſtlich geweſen wenn ich ſie nicht zu hören bekommen hätte.“
„So; wie heißt ſie denn?“
„Ei der Tauſend, haſt Du denn in den Zeitun⸗ gen nicht von Madame Dorbino geleſen?“
„Nein, ich leſe nie etwas anderes als Anzeigen.“
„Du glaubſt nicht wie intereſſant ſie war. Sie hat eine ſehr gute Stimme und eine hübſche Ge⸗ ſtalt; aber denke Dir, ſie ſingt ſo friöol, gar nicht wie andere Menſchen, ſondern ſie wird bald feuer⸗ roth, bald wieder ſo blaß, daß man es durch die Schminke hindurch ſieht. Ueberdieß gibt ſie ihrem Geſicht einen unpaſſenden Ausdruck, gerade als ob ſie alle Männer damit bannen wollte, was ſie auch wirklich thut. Sie waren all zuſammen verrückt im Applandiren- und Herausrufen. Der Beifall ging bis zum Scandal. Dein junger Vetter, der Leu⸗ tenant, war auch da. Er ſah ganz verſtört aus als ich und meine Adele in der Vorhalle ihm be⸗ gegneten“


