und mit einem Lächeln das an vergangene Zeiten erinnerte fügte ſie hinzu:„Ach, ich leſe in Deinem Blick daß Du Deine frühere Schuldfried in mir wieder gefunden haſt; aber der Unterſchied, Du guter, geliebter Onkel, beſteht darin daß ſie Dir jezt nicht mehr aus falſchem Stolze davon laufen wird.“
Unmöglich ein Vorurtheil feſtzuhalten, wenn ſo bezaubernde Lippen einem entgegenlächeln. Der Profeſſor war überwunden. Er hatte ſich beinahe mit dem Gedanken verſöhnt eine Sängerin zur Nichte zu haben. Deßungeachtet erhob er ſich zum zweiten Male um zu gehen.
„Willſt Du nicht mit mir zu Mittag eſſen, Onkel?“ fragte Schuldfried.
„Doch, mein Kind, ich möchte wohl; aber als ich in Dein Haus kam, traf ich mit Jemand zu⸗ ſammen der ebenfalls hieher gehen wollte.“ Der Profeſſor lächelte.„Ich zwang dieſen Jemand nach Hauſe zurückzugehen und meine Ankunft abzuwarten. Zezt fürchte ich daß er ungeduldig wird, im Fall ich länger hier verweile.“
Schuldfried erröthete. Sie dachte ſich ſogleich daß dieſer Jemand Tage war. Sein Name war während des Geſprächs noch nicht genannt worden. Der Gedanke an ihn verurſachte ihr ein unange⸗ nehmes Gefühl und das Blut ſtrömte in ihre Wangen.
„Du biſt doch auf den Nachmittag frei?“ fragte der Profeſſor, der ſehr wohl die hübſche Farbe be⸗ merkte die Schuldfried erhieit.
„Ja, den ganzen Tag.“
„Nun wohl, dann komme ich wieder und bringe Tage mit. Wenn Du noch dieſelbe biſt wie früher,
Schwartz, Schuld und Unſchuld. IMI. 3


