Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
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ſo wird das Wiederſehen Deines einzigen Jugend⸗

freundes Dir gewiß Freude machen.“

„Ganz gewiß!“ Mehr ſagte Schuldfried nicht, aber ſie war beklommen. Als der Profeſſor ſich ent⸗ fernte, blieb ſie eine lange Weile unbeweglich daſizen.

„Meine treuen Freunde aus der Kinderzeit, die ſuchen mich auf; aber er.. ach, mein Gott, wie konnte ich darauf hoffen? Was bin ich denn für ihn? Und doch, wie liebte er mich ſo innig! Iſt es denkbar daß dieſe Liebe todt, oder daß eine andere an ihre Stelle getreten ſein kann? Unmöglich!“

In einem Häuschen irgendwo auf dem Blaſiholm finden wir Profeſſor Aberneys Wohnung. In einem großen, geräumigen Zimmer war Tante Sara be⸗ ſchäftigt die Bucher in den beiden dort ſtehenden Schränken abzuſtäuben. Die kleine, ſtets rührige Sara war ſich vollkommen gleich geblieben. Auch jezt trug ſie ihre weiße feine Haube mit ſchönen Spi⸗ zen und ihre wohlgeſtärkte Schürze, fleckenlos und glatt als wäre ſie ſo eben aus der Commode her⸗ vorgeholt worden.

Es iſt derſelbe Morgen wo Aberney Schuldfried beſuchte. Er hatte kaum erſt ſeine Wohnung ver⸗ laſſen, und Sara hatte ſich auf die hohe See der Vermuthungen hinausbegeben, wo man immer ſicher ſein kann Schiffbruch zu leiden. Während Staub Sl und Staubbeſen fleißig arbeiteten, dachte

ara:

„Mit Tage ſteht es nicht ganz richtig.“ Jez klopfte ſie einen großen dicken Papierklumpen vo