lange vermißte und geſuchte Schuidfried, als ein Mitglied dieſer Menſchenkaſte zu finden die er nicht ausſtehen konnte und von welcher er die ſchlechteſten Begriffe hegte. Schuldfrieds enthuſiaſtiſche Worte ſtellten zwar den Theaterlünſtler in ein ganz anderes Licht, als worin Aberney ihn bisher betrachtet hatte; aber deßungeachtet blieb das Vorurtheil noch immer aufrecht und ſtellte ſich dem Eindruck entgegen wel⸗ chen das junge Weib hervorgebracht. Er antwor⸗ tete alſo:
„Mag auch die von Dir gegebene Schilderung wahr ſein, ſo iſt es doch eben ſo wahr daß das Theaterleben dem Charakter eine leichtſinnige Rich⸗ tung gibt. Die Freiheit im Reden und Benehmen die zwiſchen den Schauſpielern vorherrſcht, die Schmei⸗„ cheleien die man an das Talent verſchwendet— Alles trägt unwillkürlich dazu bei das Herz zu ver⸗ derben und den Samen böſer unmoraliſcher Grund⸗ ſäze auszuſtreuen.“
Schuldfried legte ihre Hände auf Aberneys Schulter und blickte mit dem ehrlichen und un⸗ ſchuldsvollen Ausdruck eines Kindes zu ihm auf.
„Onkel,“ ſagte ſie mit tiefem Ernſt,„ſchau mir ins Auge und ſag, ob Du glaubſt daß dieſe auf dem Theater verbrachten Jahre mein Herz verderbt und mich demoraliſirt haben? Du mußt in jedem Zug leſen daß ich noch dieſelbe bin wie bei unſerer Trennung, denn die Wahrheit hat ihr unverkenn⸗ bares Gepräge. Ich war damals ein unwiſſendes Kind, ohne eine Ahnung davon daß ich viel zu ſüh⸗ nen hatte.“ Ein Ausdruck tiefer Schwermuth glitt über ihre Züge, verſchwand aber eben ſo plözlich


