gen, Aberney drückte ſie feſt an ſeine Bruſt und ſtammelte:
„Undankbares Kind, wie konnteſt Du je den Bruder Deines Vaters verlaſſen und ihn ſo lange in Unkenntniß über Dein Schickſal erhalten!“
„Meines Vaters Bruder!“ ſtammelte Schuldfried und drückte ihr Geſicht an ſeine Bruſt;„Du weißt es und ſtößeſt mich nicht von Dir!“
„Schuldfried, ich wußte es ja lange ehe wir uns trennten,“ antwortete Aberney und fuhr koſend über das ſchöne Geſicht.
„Und ich entfloh, entfloh weil man mir geſagt hatte daß Du von Harms Tochter Nichts ſehen und hören wolleſt. Onkel, Onkel, welche Jahre bittern Leidens ſind nicht aus dieſer Ueberzeugung er⸗ wachſen!“
Nach den erſten Ausbrüchen der Freude, dem erſten Austauſch gegenſeitiger Fragen und Antwor⸗ ten legten ſich die wollenden Gefühle welche das Wiederſehen hervorrief, und nun folgte eine ruhigere Berichterſtattung über das Vorgefallene, die Motive welche Schuldfried in ihrem Benehmen geleitet ꝛ6. Mit derſelben einfachen und unverſtellten Aufrichtig⸗ keit welche ſie als junges Mädchen ausgezeichnet hatte, erzählte ſie Aberney von der entſchwundenen Zeit. Sie ſprach mit Rührung von der Vergangen⸗ heit und von demjenigen was ſich auf ihre Mutter bezog, ging aber ganz leicht über all die bittern Prüfungen hinweg denen ſie ſelbſt unterworfen ge⸗ weſen.— Wir wollen den Ereigniſſen nicht dadurch vorgreifen daß wir ihre Erzählung mittheilen. Wir


