. 26 rem Alter unterbrochen die herein kam; eine Art Mittelding von Mamſell und Dienſtbote, mit einem echt franzöſiſchen Ausſehen, lebhaften, braunen Augen, warzen Haaren und etwas dunkler Farbe; klein von Wuchs, mit jener Leichtigkeit der Bewegungen welche den Franzöſinnen ſo eigenthümlich iſt.
„Ich empfange Niemand,“ anwortete Schuldfried.
„Ich ſagte ihm dieß, Madame, aber da bat er mich Ihnen dieſe Carte zu übergeben.“
Schuldfried ſtreckte die Hand aus, aber kaum hatte ſie die Augen darauf geworfen, als ſie einen Ruf erhob und hinauseilte.
In dem kleinen Speiſeſaal ſtand derſelbe Herr von mittleren Jahren der am Abend zuvor in dem rechten Ochſenauge geſeſſen, mit gekreuzten Armen da und hielt ſeinen Blick auf die Thüre gerichtet, durch welche die Dienerin verſchwunden war. Plöz⸗ lich flog die Thüre auf und Schuldfried eilte auf ihn zu, blieb aber wie bebend halbwegs ſtehen, als fürchtete ſie ſich der erſten Regung ihres Herzens zu folgen. Beim Anblick dieſer Zögerung ſagte er:
„Wie auch das Leben ſich geſtalten mag, ſo bin und bleibe ich immer Dein Freund, mein Kind; be⸗ denke daß ich dieß ſchon einmal geſagt habe.“ Dann ſtreckte er ihr die Arme entgegen. Schuldfried warf ſich an den offenen Buſen und rief unter Thränen:
„Mein Freund, mein guter geliebter Freund!“ Sie ſchlang ihre Arme um ſeinen Hals und flü⸗ ſterte:„Wie glücklich fühle ich mich nicht in dieſem Augenblick!“
Die Thränen ſtürzten über Schuldfrieds Wan⸗


