Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
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geordnet, ganz wie zur Zeit wo ſie noch ein junges Mädchen war. Man wäre verſucht zu glauben, die Zeit habe ſtill geſtanden, und man habe Schuldfried von Ektorp vor ſich. Die Theaterſchminke hatte dieſe ſchöne reine Farbe noch nicht anzugreifen ver⸗ mocht. Die Schmeichelei hatte, wie es ſchien, dieſes Gepräge kindlicher Unſchuld das einſt ihre Züge ge⸗ kennzeichnet noch nicht verwiſchen, dieſem offenen und reinen Blick nichts von der übermüthigen Sicher⸗ heit geben können die häufig eine Folge davon iſt. Die einzige merkliche Veränderung in Schuldfrieds äußerer Erſcheinung war, daß ihre Geſtalt eine größere Entwicklung der Formen erhalten hatte, und daß über ihren Zügen mehr Nachdenklichkeit ausge⸗ breitet lag als in den ſorgloſen Jugendjahren.

Vor ihr auf dem Tiſch lagen die Zeitungen, ſämmtlich voll von Lobpreiſungen auf ſie; eben ſo eine Maſſe unerbrochener und parfümirter Billete. Nicht einen einzigen Blick widmete ſie den leztern. Sie ſaß in Gedanken verſunken und hielt in der Hand einen vor Alter vergilbten und durch vieles Leſen abgenüzten Brief, der mehr einem Bruchſtück als einem Schreiben glich. Ihre Blicke ruhten auf den gebleichten Buchſtaben. Was war das für ein

Brief? Derjenige welchen Lothar nach ihrem Be⸗

ſuch auf Kronbrück ihr geſchrieben hatte.

So habe ich denn den Augenblick des Wieder⸗ ſehens durchlebt, dachte Schuldfried.Ich habe alſo endlich dieſes Ziel erreicht nach dem ich geſtrebt hatte, nämlich nur noch ein einziges Mal. dieſen Augen zu begegnen, ſie nur noch ein einziges Mal auf mich geheſtet zu ſehen; aber, o Gott, mit wel⸗

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