Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
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durch Geſchrei, Geſtampfe und Geklatſche Luft. Eine eigenthümliche Art ſeinen Beifall zu äußern.

Es gab jedoch drei Perſonen die nicht klatſch⸗ ten, ſtampften oder ſchrieen. Sie gaben durch keine einzige Geberde zu erkennen welchen Eindruck der Geſang auf ſie machte. Dieſe drei waren dieje⸗ nigen die in Madame Dorbino Schuldfried er⸗ kannt hatten.

Sie hat mich geſehen, dachte Lothar;ſie hat ſeit dieſem Wiedererkennen ſchlecht geſungen. Sie hat alſo noch ein Gedächtniß für die Vergangenheit. Aber ſie ahnt nicht, die ausgezeichnete Sängerin, daß dieſe Vergangenheit jezt gleichſam begraben iſt, und daß ich von heute Abend an gänzlich verändert bin. Ich weiß jezt daß Schuldfried ſich nicht mehr von mir finden laſſen wird.

Im weitern Verlauf des Stückes richtete Ma⸗ dame Dorbino nicht ein einziges Mal mehr ihre Blicke auf Lothar. Sie ſang, ſang ſo daß der Saal von Jubel erſcholl, aber ſie ſang mit todtenblaſſen Wangen. Die Vorſtellung war vorüber, der Vor⸗ hang fiel; aber das Publicum wollte die ſchöne Sän⸗ gerin noch einmal ſehen, ihr noch einmal ſeine Huldigung ſchenken, und ſie mußte herauskommen. Als ſie erſchien um mit einem Compliment für dieſes Wohlwollen zu danken, erhob ſie einen ſcheuen, bei⸗ nahe bebenden Blick zu Lothar. Er hatte ſich auf⸗ gerichtet; er betrachtete die gefeierte Sängerin mit einem beinahe höhniſchen Lächeln, einem Lächeln ubll Bedauerns auf den Lippen. Bei dieſem Anblick richtete ſich das kaum noch ſo demüthig geſenkte