Lothars Blick hing feſt an ihren Zügen, aber noch hatte ſie den ihrigen nicht zu ihm erhoben. Das Publicum ſchien für ſie gar nicht vorhanden
zu ſein. Sie ſchien die Hunderte von Augen die auf ſie gerichtet waren, von Ohren die ihr entgegen⸗ lauſchten, vergeſſen zu haben. Ihre Seele war im Geſang und der Geſang wurde auch ein Spiegel⸗ bild ihrer Seele.⸗ Das war die echte Künſtlerin,» nicht die nach Beifall jagende Actrice. Jene Neben⸗ intereſſen, die das eifrige Suchen nach Effect und Bewunderung hervorrufen, kamen bei Madame Dor⸗ bino nicht ein einziges Mal zum Vorſchein.
Die erſte Arie war vorüber, der Applaus und das Bravogeſchrei wollte kein Ende nehmen. End⸗ lich verſtummte der Beifallsſturm; Max trat ein.
Juſt in dieſem Augenblick ſchaute Madame Dor⸗ bino zur erſten Reihe hinauf. Sie fuhr zuſammen und ſchloß ihre Augen als hätte ein Bliz ſie ge⸗ blendet. Ein heftiges Zittern fuhr durch ihren Kör⸗ per und ſie vergaß in den Geſang einzufallen. Sie erholte ſich jedoch und verſtändigte ſich mit dem Ca⸗ pellmeiſter durch ein Zeichen. Sang ſie das Fol⸗ gende eben ſo gut? Wirklich eben ſo gut? Wirz müſſen antworten— nein; aber das Publicum be* morkte die Unſicherheit in der Stimme, die Ungleich⸗ heit im Vortrage nicht; es hatte ſich eininal vnom Schwindel des Entzückens ergreifen laſſen, und dieſer gebot der kalten Vernunft Stillſchweigen. Applaus und Hervorrufe folgten nach dem Schluß des zweiten Actes, und als Madame Dorbind bei dem lezteren erſchien, machte man ſeiner Bewunderung
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