Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
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ſie für das Publicum Halbgötter, und in der an⸗ dern werden ſie gänzlich vergeſſen.

Das ganze Theaterperſonal war von Madame Dorbinos Geſang dermaßen hingeriſſen worden, daß

es ſie gerne im Triumph herumgetragen hätte. Selbſt

die Neidiſchſten wurden von dieſem Gefühle beherrſcht ſo lange der Zauber der Töne währte; aber als man nach der Proöbe wieder auf die Straße kam, legte ſich das Entzücken allmählig, und in demſelben Grade erwachte der Neid wieder; er wurde um ſo ſtärker als man mit innerem Verdruß geſtehen mußte daß ſie ein überlegenes Talent war.

Zur Steuer der Wahrheit müſſen wir zugeben daß der Eindruck welchen ihr Geſang auf den männ⸗ lichen Theil ihrer Zuhörer machte, von der Art war daß ihnen alle Luſt verging die Erzählung der Frau * nachzureden. Die Männer werfen nicht gerne einen Schatten auf die Ehre eines ſo ſchönen Wei⸗ bes. Die Frauenzimmer dagegen ergreifen mit Be⸗ gierde jede Gelegenheit einer von der Natur mit Vorzügen ausgezeichneten Dame zu ſchaden. Die Geſchichte der Frau** hatte ſomit alle Hoff⸗ nung von weiblicher Seite aus bereitwilligſt ver⸗ breitet zu werden. Schon im Verlauf weniger Tage wußte man recht wunderliche Sachen von der be⸗ rühmten Sängerin zu erzählen, lauter Dinge die mehr oder weniger geeignet waren ihrem Rufe zu ſchaden.

Lebe wie eine Heilige, ſei keuſch wie der Mond, rein wie Schnee, fromm wie ein Kind, und du wirſt dennoch der Verläumdung nicht entgehen, im Fall du das Unglück haſt bei deinem eigenen Geſchlechte