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Der Capellmeiſter nahm ſeinen Plaz ein; die Probe begann.
Sie wird ihre Partie wohl franzöſiſch ſingen, meinte man und ſah mit geſpannter Erwartung dem Augenblick entgegen wo ſie beginnen ſollte. Jezt erklangen die wohlbekannten Tacte und Madame Dorbino ſang:
Wie nahte mir der Schlummer Bevor ich ihn geſehn!
War es wirklich dieſelbe Arie welche Frau** geſungen hatte? Ja! Von welcher Göttermacht hatte dieſe Künſtlerin eine ſo klare, ſo melodiſche, ſo umfangreiche Stimme empfangen? Von wem hatte ſie gelernt ſo viel Wärme, ſo viel Leben, ſo viel Seele in die Töne zu legen? Der Neid ver⸗ ſtummte. Die Bewunderung des Augenblicks zer⸗ trat ihn. Man vergaß ſein eigenes Intereſſe, man vergaß ſich ſelbſt über dem Eindruck welchen der Geſang hervorbrachte.
Die Zuhörerſchaft in einem Theater wird, wie jedes andere Publicum, vom Eindruck des Augen⸗ blickes beherrſcht. Der Impuls der Stunde iſt für Künſtler, Schauſpieler und Schriftſteller diejenige Macht die Alles beherrſcht. Das Gefühl iſt der ent⸗ ſcheidende Gradmeſſer bei dieſen Kindern des Augen⸗ blicks deren ganze Exiſtenz in der Gegenwart liegt. Sie beſizen keine Zukunft. Ihre Triumphe und Er⸗ folge ſind Eintagsblumen die heute gewonnen wer⸗ den, aber morgen ſterben. Die Künſtler und Poeten theilen daſſelbe Schickſal: in der einen Minute ſind


