12
Beefſteak und Porter vergaß. Jezt ſoll ſie ſeit einigen Jahren mit Herrn von Bris lirt ſein.“
„Dieſe Heilige hat ſich alſo von allen Nationen
anbeten laſſen?“
„Still, da kommt der Director und mit ihm eine Dame.“
Alle Blicke richteten ſich auf die Ankommenden, und ſelbſt die Neidiſchſten mußten mit Verdruß ge⸗ ſtehen daß die Dame die mit dem Director kam von höchſt ſeltener Schönheit war.
Madame Dorbino, denn ſie war es, beſaß eine ſo ausgeſuchte Würde, und zeigte ihre hohe ſchlanke Geſtalt auf eine ſo ſtattliche Art, daß ſie etwas Impoſantes bekam. Ihr Wuchs vereinigte Ueppigkeit der Formen und Geſchmeidigkeit in ſolcher Harmonie, daß der Blickmit Wohlbehagen aufallen Umriſſen ruhte. Der weiße Schwanenhals trug einen ſo ſchönen Kopf, daß die Züge, wenn man ſie nur ein einziges Mal geſehen hatte, unauswiſchbar ins Gedächtniß einge⸗ graben blieben. Das dunkle üppige Haar umgab eine Stirne ſo rein daß man deutlich ſah daß die darin wohnenden Gedanken ſo keuſch waren wie bei einem Kinde. Die großen dunkeln Augen glichen ſtrahlenden Sternen die ihre Wärme von der Sonne und ihre Klarheit von dem Monde entlehnt hatten. Der ganze Geſichts ausdruck war edel und jungfräu⸗ lich. Beim erſten Blick entſagte man jedem unvor⸗ theilhaften Gedanken und vermuthete daß die hier preisgegebene Geſchichte ein Mährchen ſei das Frau“ aus Neid gegen eine Nebenbuhlerin erſonnen habe, die ihre Partien ſingen ſolle.
„Wie ſchön ſie iſt!“ flüſterte man unter einander.


