Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
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Gruppen verſammelt. Sie wünſchen die fremde Künſtlerin zu ſehen. Während ſie auf ihre Ankunft warten, wollen wir belauſchen was geſprochen wird. Wir bleiben bei einer der Gruppen ſtehen.

Haſt Du ſie geſehen? fragte Frau Herrn

Nein, aber ich hoffe das Vergnügen zu haben, da wir in derſelben Oper ſingen werden, antwor⸗ tete Herr*.

Sie ſoll außerordentlich ſchön ſein, bemerkte ein anderer.

Ich habe gehört daß ſie infam häßlich ſei, verſicherte Frau*, die ſelbſt ſehr ſchön war.

Sie ſoll, was Moral betrifft, eine Heilige ſein, bemerkte ein Anderer.

Eine Theaterheilige, meinte Herr*. Der Ein⸗ fall erregte große Heiterkeit.

Ja, das dürfte das rechte Wort ſein, ver⸗ ſicherte Frau**, deren Seele bereits von dem gif⸗ tigſten Neid gegen die berühmte Sängerin erfüllt war.Ich weiß daß ſie wenigſtens einen bösarti⸗ gen Liebhaber hat, und das iſt ein Herr von Bris bei der königlichen Oper in Paris. Im Uebrigen werden Sie wohl ihre Heirathsgeſchichte gehört haben?

Nein, wie lautet ſie? Alle warfen ſich mit Begierde auf einen Gegenſtand der ſo ſtark nach Scandal roch. Man konnte ja möglicher Weiſe etwas recht Infames von dieſer Frau zu erzählen bekommen die mit ihren Tönen das Publicum von London und Paris entzückt hatte. Man konnte ja von einem moraliſchen Flecken hören der ihre Künſt⸗ lerehre beſudelte. Das war ein herrlicher Fund.