Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

9

denkt ſich hier in verſchiedenen Rollen hören zu laſſen. Zum erſten Male wird ſie als Agathe im Freiſchüz auftreten.

Alſo etwas Neues! Eine Künſtlerin die in Paris und London Aufſehen gemacht hatte und der zu hul⸗ digen dort in der Mode war. Die Tonangeber Stockholms konnten ihr alſo ihre Bewunderung ſchenken ohne ſich zu compromittiren. Ja es mußte ſogar ſonderbar ausſehen wenn die Stockholmer ſich nicht beeilten der franzöſiſchen Sängerin ihren Enthu⸗ ſiasmus zu zeigen, während man es in Paris und London bereits gethan hatte. Madame Dor⸗ bino war alſo ſchon ehe man ſie hörte Gegenſtand einer Bewunderung, wie man ſie der vollendetſten einheimiſchen Künſtlerin die je mit ihren Tönen ent⸗ zückte nicht zu ſchenken gewagt haben würde.

Ach meine lieben theuern Londsleute! warum dieſe thörichte Vorliebe für Alles was aus dem Auslande kommt? Warum dieſen kläglichen Man⸗ gel an Selbſtſtändigkeit des Urtheils? Der Fran⸗ zoſe oder Engländer fragt auch nicht das Ausland

um Rath bevor er ein Verdienſt rühmt.»Nein er

thut es ganz unabhängig von Allem was andere

Nationen denken oder für gut finden; aber wir

Schweden, wir müſſen zuerſt den Ausländer den Weg breit treten laſſen den unſer Urtheil gehen ſoll.

Der Freiſchüz mit Madame Dorbino als Agathe wurde angekündigt. Alle beſſern Pläze woren ſchon lange voraus beſtellt. Ein paar Tage vor der Vor⸗ ſtellung wollen wir einen Beſuch im Theater machen. Es iſt noch nicht zehn Uhr. Eine Probe ſoll ſtatt⸗ finden. Die Künſtler vom Theater ſind in kleinen