Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ganzen Winter hatte man Emilie H bewundert, ſich von Frau G entzücken laſſen, Thränen der Theilnahme über die meiſterhafte Aufführung der Griſeldis geweint, und jezt waren Bewunderung, Entzücken, Theilnahme u. ſ. w. erſchöpft, als die Raſenpläze des Thiergartens ſich mit einem zarten Grün bedeckten, das Leberkraut aufzuſchießen an⸗ fing, und Jedermann ſich ſagen mußte daß die Lam⸗ pen im Theaterſaale matt und trübe ausſahen gegen die Frühlingsſonne. Die gemalten Decorationen be⸗ ſaßen Nichts was den blühenden Gebüſchen gleich⸗ kam. Das gefeiert junge Mädchen fand ſeine Be⸗ wunderer langweilig; dieſe hinwieder waren es müde geworden eine Anmuth anzubeten welche Spizen, Juwelen und Lampenſchein bedurfte, um in einem recht vortheilhaften Lichte dazuſtehen. Bedenkt man ferner daß die ſchönſte Frau nach einem in eitel Vergnügungen veriebten Winter mehr von ihrer Ju⸗ gend und Friſche verloren hat, als eine ganze Reihe von ruhigen Jahren ihr rauben könnte, ſo iſt es natürlich daß die Frühlingsſonne nur erblaßte Wan⸗ gen und matte Augen beglänzte Gähnend ſah man dem Abend entgegen. Die Löwen des Tages wuß⸗ ten nicht wie ſie die Zeit todtſchlagen ſollten; mit einem Wort, Alles was die Hauptſtadt zu bieten vermochte war abgenüzt. Man ſeufzte nach dem Sommer, man wurde von dem hartnäckigſten Ueber⸗ druß heimgeſucht.

Da ſtand eines Tags in den Zeitungen:

Stockholm hat den Beſuch der in den lezten Jahren im Ausland ſo vielgeprieſenen Madame Dor⸗ bino empfangen. Die ausgezeichnete Künſtlerin ge⸗

S