Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 3. Band (1862)
Entstehung
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Zwei Winter hatten ihren weißen Mantel über die Erde ausgebreitet, ſeit die Fregatte Carolina den Hafen von Neapel verlaſſen, und wieder kam der Frühling mit Blumen im Hagr.

Stockholm,die ſchöne Sünderin, hatte wäh⸗ rend der kalten Jahreszeit in dulci jubilo gelebt und ſich mit Bällen, Concerten, Soireen und allen möglichen Luſtbarkeiten vergnügt. Die Kinder der Thorheit hatten dabei vergeſſen daß es Etwas gibt was man den Ernſt des Lebens nennt. Man amü⸗ ſirte ſich und die Zeit verflog wie ein Traum, doch Carl Kullberg ſagt ganz treffend:

Schließ mit des Lebens Freude einen Bund, Leb in dem Taumel ſtets erneuter Luſt;

Du findeſt doch in einer ſchlimmen Stund Daß ſie mehr koſtet als Du Dir bewußt.

Als daher der Frühling mit ſeinem klaren blauen Himmel und ſeiner ſtrahlenden Sonne kam, ſo be⸗ gann auch das vergnügungsſüchtige Publicum der Hauptſtadt ſich müde zu fühlen. Die ungeuen hatten ſich matt getanzt, die Soupers wurde n weilig, die Concerte hatten nichts Pikantes n bieten, und Thalias Tempel ſtand verlaſſen da

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