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„Dann ſind Sie ein großer Thor,“ rief die Gräfin lächelnd.„Ich quälte ihn ja nur beſtändig.“
„Auch das kann zuweilen ein Glück ſein.“
„Möglich; aber für ihn war es das Gegentheil, davon bin ich feſt überzeugt. Er kann mich ſo wenig ausſtehen als ich ihn. ir haben eine natürliche Antipathie gegen einander.“
„Sprechen Sie aufrichtig, Frau Gräfin?“ 4
„Ich bin immer aufrichtig.— Sie kennen ja die Vergangenheit des Barons Canitz, nicht wahr?“
„Ein wenig.“
„Wiſſen Sie ob er verliebt war?“
„Wer von uns Sterblichen iſt es nicht geweſen?“ fragte Tage ausweichend.
„Das iſt keine ehrliche Antwort,“ meinte die Gräfin ungeduldig.„Ich will wiſſen ob er in Je⸗ mand ſterblich verliebt war.“
„War iſt nicht das rechte Wort, denn ich glaube daß er es noch iſt.“ Tages Geſicht verfinſterte ſich. Das flüchtige Behagen des Augenblicks verging, als ſeine Gedanken zu der Vergangenheit und zu der unglückſeligen Neigung zu Schuldfried zurückkehrten, die jezt in ihrer ganzen Stärke vor ihm ſtand.
„Kennen Sie den Namen ſeiner Angebeteten?“
„Nein.“
Die Gräfin betrachtete ihren Bewunderer und 1 brachte etwas Anderes aufs Tapet, wobei es ihr gelang einige Minuten die Schatten zu verſcheuch hece das Geſpräch über Lothär hervorgeruf
atte. Eine Weile nachher kam Lothar guf die Gräfin.


