Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 2. Band (1862)
Entstehung
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Intereſſe in ſo hohem Grad, daß er ſich in ihrer Ge⸗ ſellſchaft glücklich fühlte, ſich nach ihr ſehnte wenn ſie abweſend war, und alle Unannehmlichkeiten des Lebens in ihrer Nähe vergaß.

Die Aehnlichkeit mit Schuldfried iſt es die mein Gemüth feſſelt, ſagte Tage zu ſich ſelbſt.Wenn ſie ſpricht, ſo iſt es als ob Schuldfrieds Stimme mein Ohr liebkoste; wenn ich ſie gehen oder ſich bewegen ſehe, ſo vergeſſe ich was vorgefallen iſt und meine mich in vergangene Zeiten zurückverſezt, und wenn der Schall ihres fröhlichen Lachens an mein Ohr ſchlägt, ſo iſt es mir als ob ich noch Knabe wäre und mich an Schuldfrieds kindlichen Poſſen betheiligte.

Es war ein lieblicher Wahn welchem Tage ſich gänzlich hingab. Die Gräfin, eine ſehr gefallſüch⸗ tige Dame, ſah ſogleich daß ſeine Aufmerkſamkeit und Galanterie von anderer Art war als bei ſeinen Cameraden. Deßhalb erfreute ſie ihn mit größerer Gunſt als die andern. Sie ſprach im Ernſt und im Scherz mit ihm und ließ ſich ſogar auf lange Erör⸗ terungen ein. Für ihn hatte ſie immer ein freund⸗ liches, zuweilen ſogar herzliches Lächeln; genug, Jedermann ſah daß Aberney der Günſtling der Gräfin war. Allerdings gab es auch Augenblicke wo ſie ſich ungeheuer viel mit Lothar beſchäftigte und ihm eine Huldigung abzwingen zu wollen ſchien die er auf dem Altare ihrer Eitelkeit darzubringen

ganz und gar keine Luſt zeigte.

Auch Lothar hatte die Aehnlichkeit zwiſchen Schuldfried und der Gräfin bemerkt, aber auf ihn Schwartz, Schuld und Unſchuld. I. 16