Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 2. Band (1862)
Entstehung
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fühlte ſich Lothar etwas beläſtigt. Mit dem ihm angebornen Zartgefühl begriff er ſehr wohl daß Tages Stellung höchſt unangenehm ſein mußte; er beſchloß daher augenblicklich zu thun als ob gar nichts zwi⸗ ſchen ihnen vorgefallen wäre und ging mit einem ganz kalten Gruß an ihm vorüber. Tage dagegen erblickte in dieſem Benehmen nur den verlezendſten Uebermuth und wurde dadurch gereizt. Gleichwohl ging er zu Lothar vor und ſagte mit einem ſcharfen, ſchneidenden Ton, der nur zu deutlich bewies daß ſeine innere Stimmung nicht mit den Worten har⸗ monirte welche die Höflichkeit ihm abnöthigte.: Herr Lieutenant, ich bin Ihnen für die Rettung meines Lebens verpflichtet und wünſche Ihnen da⸗ für zu danken. Er war bleich, die blauen Augen

blickten mit einem düſtern Ausdruck auf Lothar. Er

trug ſeinen Kopf höher als gewöhnlich.

Sie ſind mir keinen Dank ſchuldig, antwortete Lothar.Ich habe bloß eine Pflicht erfüllt, was Sie an meiner Stelle auch gethan haben würden.

Daran zweifle ich, dachte Tage.

Wenn es heißt: Ein Mann über Bord, ſo iſt dieß für Alle eine Aufforderung ihm beizuſtehen; daß ich der Erſte war der zur Rettung herbeieilte, und daß der Mann gerade Sie waren, iſt bloß ein Spiel des Zufalls.

Das iſt wahr. Wenn Sie vorher gewußt hät⸗ ten wen Sie retteten, ſo wären Sie vielleicht nicht der Erſte geweſen, fiel Tage mit einem Lächeln ein, welches zu viel Hohn verrieth um nicht die in ſeinem Innern verborgene Bitterkeit bloßzuſtellen, zugleich aber bewies daß er nicht begreifen konnte oder be