„Wer iſt ſie?“
„Die Gräfin Natalie Reinſtein, die Gemahlin des Neffen von unſerem Chef, eines jungen Hofge⸗ richtsrathes, der an der Schwindſucht und abſcheu⸗ licher Magerkeit leidet. Gelb wie Pergament, aber reich. Jezt ſoll das Ehepaar nach Alexandrien; der Graf, um daſelbſt wo möglich ſeine Geſundheit und ſein verlornes Fleiſch wieder zu erhalten, was, wie ich der ſchönen Gräfin wegen hoffe, ſich leicht thun laſſen wird. Sie iſt ſchon zwei Jahre mit dieſem lebendigen Skelett verheirathet, und da der Graf ſchon damals eine baufällige Ruine war, als er ſein Schickſal mit dem ihrigen vereinigte, ſo meine ich es wäre endlich Zeit daß der Tod das Band löste das nicht von der Liebe geflochten worden iſt.“
„Und ein ſolches Weib kannſt Du bezaubernd nen⸗ nen?“ fiel Tage ein.
„Ja, mein Freund. Je mehr vom Teufel und je weniger von einem Engel bei einer Dame zu finden iſt, um ſo gefährlicher iſt ſie. Ich meines Theils ver⸗ abſcheue jene holdſeligen, milden, hingebungsvollen Engel die ſich Jahr aus Jahr ein gleich bleiben; rein wie Schnee, einförmig wie eine Windſtille, und ver⸗ drießlich wie die Langeweile ſelbſt. Nein, das Weib das ich lieben will muß ein bezaubernder kleiner Satan ſein, der mich quält und bethört, ganz wie unſere Gräfin.“
„Glück zu!“ ſagte Tage. „Was Dich betrifft, mein lieber Aberney, ſo kann
ich Alles daran ſezen daß Du Dich wahnſinnig in ſie
verliebſt.“ „Ich?“ Tage ſah ſeinen Cameraden milleidig


