Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 2. Band (1862)
Entstehung
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Schuldfried bemerkte jezt erſt ſein düſteres Aus⸗ ſehen.

Wie finſter Sie dreinſchauen! rief ſie;haben auch Sie ein Bild des Kummers vor Augen gehabt, ſo lange ich drinnen war?

Ich habe immer Bilder des Kummers ſo lange ich Sie nicht ſehe. In Ihrer Nähe vergeſſe ich mein unglückliches Schickſal und gebe mich dem Entzücken des Augenblickes hin. Sie zaubern alle düſtern Ge⸗ danken gleichſam hinweg, und ich vergeſſe die Wirk⸗ lichkeit über den Träumen die mich bethören. So

z. B. haben wir auf. dem ganzen Herweg geſcherzt, und gleichwohl hatte ich einen ganz anderen Grund warum ich eine dritte Perſon. anſprach um dieſe Unterredung zu erlangen.

Sie haben Recht; daran dachte ich nicht. Schuldfried blieb ſtehen und fügte ruhig hinzu:Sie kommen doch nicht um mir Lebewohl zu ſagen?

Und wenn es ſo wäre? Lothars Blick ruhte auf Schuldfried als wollte er in ihrem Herzen leſen. Das würde mich tief betrüben. Ihre Augen ſtanden voll Thränen. Schuldfried ſezte ſich auf einen Felſen der ſich neben dem ſchmalen und beinahe

ungebahnten Fußpfad erhob worauf ſie gingen. Sie würden mich alſo vermiſſen? ſtammelte othar.

.Ich würde Sie ſehr vermiſſen. Vielleicht allzu ſehr, mehr als ich ſollte, flüſterte Schuldfried.

Wenn es ſo iſt, wie konnten Sie mich dann

neulich ſo lang ohne alle Gelegenheit Sie zu treffen laſſen?

Es hing ja nicht von mir ab. Mein Freund Schwartz Schuld und Unſchmld. I. 2