Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 2. Band (1862)
Entstehung
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urtheilt haben ſich nicht eins Minute lang von mir

ſehen oder ſprechen zu laſſen? Sie konnten Ihren

alten Freunden nicht eine einzige Viertelſtunde zu

Gunſten des neuen abſtehlen. Wie ſchmerzlich mußte

ich das empfinden, da ich in Ihrem Benehmen einen

deutlich ausgeſprochenen Wunſch zu finden glaubte

mich nicht wieder zu ſehen und... Still! Sie verſündigen ſich wenn Sie ſo ſprechen. Sie wußten wohl daß es gegen meinen Willen geſchah und daß ich Sie gerne getroffen hätte. Im Uebrigen, fügte ſie mit ihrem hellen Lachen hinzu,habe ich Ihnen dieß ja erſt vor Kurzem ge⸗ ſagt. Laſſen Sie uns alſo die Gegenwart nicht durch Geſpräche über die Vergangenheit verbittern. Ich bin in dieſem Augenblicke o ſelig und vergnügt daß ich aus lauter Wonne ſingen möchte.

Schuldfrieds Geſicht war ſo freudeſtrahlend daß 2 auch der mißtrauiſche Lothar daran glaubte und alle 3 Eiferſuchtsgedanken verſchwanden. Sie war ſo ſchön, ihre Augen lächelten ſo freundlich und ſchalkhaft, ihre Worte waren ſo ungekünſtelt, daß der größte

Zweifler ohne Bedenken ſich hätte hinreißen laſſen.

Sie ſind ein wunderliches Weſen; mit einem Blick, einem Wort können Sie die Nacht in Tag verwandeln. Als ich durch den Doctor den Wunſch äußern ließ Sie zu ſehen, war es eitel Nacht in meiner Seele, und jezt

Iſt es eitel Sonnenſchein? Nicht wahr?

Vollkommen! Wiſſen Sie was Sie gleichen?

Einem Landmädchen das einen Korb trägt, ſagte Schuldfried lachend.