Die Alte hätte ein ſolches Unglück für ihren Liebling nicht überleben können. Aber nicht genug mit dem Cafe; Schuldfried wurde auch noch mit prächtigen weißen Brödchen bewirthet, damit ſie ja keine Ma⸗ genſchwäche bekommen ſollte. Troz aller Verſiche⸗ rungen des jungen Mädchens daß ſie nicht mehr könne, ließ die Alte nicht nach bis die Brödchen ver⸗ zehrt waren. Alles das vertrödelte die Zeit, ſo daß es beinahe acht Uhr war als Schuldfried heiter die Allee entlang whndelte. Sie war ungemein erfreut über den Gedanken daß ſie den Fremden ſehen oder Etwas über ihn erfahren ſolle. Bei der Einbiegung
in den Waldweg traf ſie auch wirklich Lothar, der
mit aufgeregter Miene ihr entgegen kam. Ehe er ein einziges von all den bittern Worten vorbrin⸗ gen konnte welche die Eiferſucht ihm eingab, rief Schuldfried:
„Welche Ewigkeit ſeit wir uns nicht mehr ge⸗ troffen haben! werde ich wieder vergnügt, da ich Sie wieder ſehe.
Sie reichte ihm die Hand und lächelte ſo freund⸗
lich, daß der Schimmer davon ſich auf Lothars Zü⸗ gen wiederſpiegelte Aller Unmuth und alle Erbit⸗ terung verſchwand bei ihrem Anblick und ein unbe⸗ ſchreiblich milder Eindruck kam unter die ſtürmiſchen Elemente. Er ergriff die dargebotene Hand ohne alle Heftigkeit, ganz wie ein Freund die Hand eines andern ergreift und drückt. Seine Stimme verrieth durchaus keine Aufregung, als er ganz wehmüthig verſezte:
„Wie kann ichs wagen an Ihre Worte zu glau⸗ ben, da Sie ſo hartnäckig, ſo grauſam mich ver⸗


