Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 1. Band (1862)
Entstehung
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Abweſenheit in Abo verfloſſen waren, ohne Jemand fürchten zu müſſen und ohne daß er ſelbſt Wünſche zu hegen wagte. Hätte Lothar mehr Eigenliebe und weniger Mißtrauen beſeſſen, ſo wäre er nicht ſo un⸗ vernünftig eiferſüchtig geworden wie er jezt war. Er hätte ſich dann nicht über jede Kleinigkei

eit beun⸗ ruhigt und darin unzweifelhafte Beweiſe geſehen daß er vergeſſen ſei, ſondern er hätte in tauſend unbe⸗ deutenden Dingen entdeckt daß gerade er ſelbſt einen

großen Einfluß auf das Herz des jungen Mädchens

beſize. Ohne durch einen Hoffnungsſtrahl ſeine

EGiferſucht mildern zu laſſen, ließ er ſich davon beherr⸗

ſchen, und ein bis zur Raſerei geſteigerter Zorn er⸗ füllte ſein Inneres als er Tage in der Nähe er⸗ blickte. Seine Erbitterung wurde nicht gegen Schuld⸗ fried, ſondern gegen Tage und Aberney gerichtet. Er hätte ſein halbes Vermögen dafür gegeben, wenn er ſich damit das Recht hätte erkaufen können dieſe beiden Männer zu vernichten, die er von ganzer Seele verabſcheute.

Schaumbedeckt kam das Pferd nach Kronbrück und der ſchöne Springer zitterte in allen Muskeln, als Lothar durch einen heftigen Griff in die Zügel ihn zwang augenblicklich an der Treppe ſtehen zu bleiben. Mit einem Saz war er auf dem Boden, warf die Zügel einem Bedienten zu und ſagte kurz und befehlend:

Der Doctor ſoll kommen!

Sein Ausſehen war von der Art daß der Be⸗ diente ihn entſchieden für krank hielt.

Der Doctor gehorchte dem Rufe ſo

ging heftig auf Und ab. Was fehlt Ihnen, Hers Baron? Sind S

eich. Lothar