Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 1. Band (1862)
Entstehung
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ſtimmt ſeien. Bei ſeinem feſten Character und ſei⸗ nem großen Selbſtgefühl war er im Allgemeinen nicht geneigt demjenigen zu mißtrauen was ihm Glück verhieß. Die Entdeckung daß Schulbfried einen jungen Mann kannte und häufige Spaziergänge mit ihm machte, hatte ihm Anfangs mißfallen, dann aber ihn eigentlich nur darum verdroſſen weil ſie ihm dieſes Ereigniß nicht anvertraut hatte. Als er mit Schuldfried darüber ſprach, hatte ein gewiſſer Grad von Eiferſucht ihn verſtimmt; aber als ſie mit ihrer natürlichen Aufrichtigkeit von der gemachten Bekannt⸗ ſchaft erzählte und erklärte daß zwiſchen Lothar und Tage keine Wahl ſtattfinden könne, ſo war der von ugend auf feſtgewurzelte Glaube an ihre Zärtlich⸗ eit wieder erwacht, und er hielt es beinahe für ganz unmöglich daß ſie umhin könne ihn zu lieben. Lothar dagegen hatte mit all ſeinen Reichthümern, ſeiner Schönheit und ſeinem Hochmuth gleichwohl während der Bekanntſchaſt mit Schuldfried nie daran gedacht daß ſie ihn lieben würde. Als ſein eigenes Gefühl ihn trieb ſich ihr Wohlwollen zu erbitten, meinte er bereits ſehr weit gegangen zu ſein, und als Schuldfried ihm freundſchaftlich die Hand reichte, fürchtete er beinahe, dieſe Freundſchaft möchte bei ihm Gedanken und Wünſche erzeugen deren Verwirk⸗

lichung unmöglich ſei. Er verabſcheute alle Men⸗ ſchen und alle Dinge die ihr in den Weg kamen,

weil er gänzlich vergeſſen oder auf die Seite ge⸗ drängt zu werden fürchtete. Er wurde von wilder Eiferſucht gequält, weil er unaufhörlich ſeiner eigenen Fähigkeit zu gefallen mißtraute. Er hätte ſein Leben ſo verbringen mögen wie die Wochen wäßtend Aberneys