Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 1. Band (1862)
Entstehung
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mußte im Schritt gehen. Als ſie endlich an einander vorbei kamen, konnte man ſagen, die beiden jungen Männer haben mit dem drohenden Feuer ihrer Blicke einander zu durchbohren geſucht.

Ich hätte nicht geglaubt daß er ſo hübſch wäre, dachte Tage.Dieſe Züge habe ich ſchon einmal geſehen, aber wann und wo?

Lothar dachte:

Sie muß ihn lieben, er iſt mehr als hübſch. Bei dieſem Gedanken erhielt das Pferd einen hefti⸗ gen Spornſtich und das edle Thier enteilte mit ſei⸗ nem Reiter.

Tages lichte und liebliche Traumbilder waren verſchwunden, die böſen Mächte der Unruhe und des Zweifels erwachten wieder in ihm, und als er in den Hof hineinfuhr, ſtand es klar vor ſeiner Seele

daß er mit Aberney ſprechen und ihm ſagen müſſe 8 wie theuer Schuldfried ſeinem Herzen ſei.

Während Tage den Entſchluß faßte Schuldfried von Aberney zu begehren, wie wenn dieſer über die Hand des jungen Mädchens zu verfügen hätte, war othar nach Kronbrück gejagt. War Tage unruhig und ſein Herz von Zweiſeln gequält, ſo war Lothärs Seele von den wildeſten Stürmen aufgeregt. Der

3 Unterſchied beſtand darin daß Tage vermöge ſeines

Characters und ſeiner Kinderfreundſchaft mit Schuld⸗ fried die feſte Ueberzeugung hegte, ihre gegenſeitige Zärtlichkeit ſei von einer und derſelben Art. Er hatte ſeit ee Wiederſehen t cht

gehalten daß ſie und er von G