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bittere Augenblick in ſeinem Leben. Als Schuldfried ₰ aufgehört ſuite⸗ ſagte er langſam; „Liebſt Du ihn?“
Bei dieſer ſo einfachen und für jedes andere Mädchen ſo leicht faßlichen Frage ſprang Schuldfried auf und ſtarrte ihn an, als ob er etwas recht Schrec⸗ liches ausgeſprochen hätte.
„Herr mein Gott, Tage, was ſagſt Du dal“ rief ſie.
„Ich frage ob Du ihn liebſt, ob er Dir ſehr⸗ ſehr theuer iſt?“
„Daran habe ich nie gedacht. Es macht mir Freude ihn zu ſehen und zu ſprechen; aber dieß iſt auch das Einzige was klar vor mir ſteht. Daß ich durchaus nicht die innige Ergebenheit gegen ihn hege wie gegen Dich und Onkel Aberney, iſt vollkommen ſicher. Nein, wenn man mir ſagte: Wähle ob Du den Fremden oder Tage nimmer ſehen willſt, ſo würde ich ohne Bedenken ſagen: den Fremden.“
„Gott ſei Lob und Dank!“ rief Tage, ergriff
heftig ihre Hände und küßte dieſelben. In dieſem Augenblick rollte ein Stein vom Berge herab bis zu Tages und Schuldfrieds Füßen vor. Unwillkür⸗ lich richteten ſich ihre Augen hinauf; aber dr zeigte ſich Niemand.
„Jezt, Du gute geliebte Schuldfrieb, min Herzens Dame, jezt bin ich ruhig und vergnügt,“ ſagte Tage und zog Schuldfried wieder auf die Vunk neben ſich.
Schul frisd⸗ ihrerſeits war ganz und gar nicht ruhig und vergnügt. Die ganze Un⸗ ruhe welche ſie im Laufe des Tages empfunden


