Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 1. Band (1862)
Entstehung
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habe lange darauf gewartet daß Du anfangen

ollſt.

Glaubſt Du daß ich Dich lieb habe? fragte der junge Mann.

Welche ſonderbare Frage! Wie könnte ich daran zweifeln!

Deſſenungeachtet haſt Du kein Vertrauen zu

nir. Ich bin jezt nicht mehr wie früher der Freund

mit dem Du Deine Gedanken austauſcheſt.

Doch, Tage, Du biſt noch immer mein Freund, das weiß ich ganz gewiß.

Und gleichwohl haſt Du Geheimniſſe vor mir? ſagte er.

Schuldfried ſenkte ihr Haupt und ſchwieg.

Du kennſt dieſen Fremden ſchon lang und haſt mit mir noch nichts über ihn geſprochen.

Dieß kommt daher weil ich es noch mit Nie⸗ mand gethan habe.

Aber dieſes Benehmen ſieht Dir gar nicht gleich. S

Ach ja, ich weiß es, und ich kann die Urſache nicht erklären.

Eine Pauſe entſtand. Tage kämpfte ſichtlich mit ſeiner Aufregung; endlich begann er wieder: Sage mir wie ihr einander kennen gelernt habt; willſt Du, Schuldfried?

Gerne; ſicherlich wird es mir dann leichter ums Herz. Schuldfried legte ihre Hand in Tages Hand und erzählte jezt von ihrem erſten Zuſammentreffen mit Lothar, ſo wie von allem Uebrigen. Tages Stirne wurde immer bleicher während er Schuldfried zuhörte. Dieß war der erſte wirklich 17

Schwart, Schuld und Unſchuld. 1.