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Augenblick viel dafür geben wenn ich ganz aufrichtig
mit Dir ſprechen dürfte.“
Schuldfried erhob ſich, legte ihre Hand an ſeinen
Arm und ſagte:
„Gewiß darfſt Du das, wer ſollte Dich hindern?“
„Du wirſt vielleicht böſe und betrübt werden.“
„Betrübt, Tage, das iſt möglich; aber böſe auf
Dich, unmöglich.“
„Wir wollen ſehen. Nimm meinen Arm, dan
laß uns an den Fuß des Felſen gehen und uns ſezen. Dort können wir ungeſtört ſprechen, und dort haben wir als Kinder ſo manchmal in vertrau⸗ licher Zwieſprache geſeſſen. Dieſer Plaz ſcheint mir
beſonders geeignet Dich weniger ungünſtig für das
zu ſtimmen was ich zu ſagen habe.“
Schuldfried nahm ſeinen Arm und ſie wandelten über den Hof hinaus, bis an eine grüne Wieſe am Fuß eines Berges der mitten im Wald hoch empor⸗ ragte. Der moosbewachſene Granitrieſe neigte ſei⸗ nen mit zwerghaften Tannen geſchmückten Scheitel ein wenig über die Grasfläche, die gleichſam von den Armen des Berges eingeſchloſſen und dadurch vor den rauhen Verheerungen der Nordwinde ge⸗ ſchüzt war. Von der Spize des Berges herab haite man eine freie und ſchöne Ausſicht auf Junta und die ganze Umgegend.
Die jungen Leutchen ließen ſich auf einer gefloch⸗
tenen Weidenbank nieder, unter einer buſchigen Hän⸗ gebirke die am Fuße des Berges emporgewachſen
war.
„Nun, Tage,“ begann Schuldfried, als er noch
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immer ſchwieg,„Du hatteſt ja Etwas zu ſagen.
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