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„Verzeih mir, Schuldfried, wenn ich Dich betrübt habe; ich mag nicht in Gottes Haus treten ehe Du mir geſagt haſt daß Du nicht böſe auf mich biſt.“
Schuldfried lächelte freundlich. Sie drückte ihm herzlich die Hand und antwortete:
„Ich werde drinnen im Tempel, wenn ich Got⸗ tes Wort zu hören bekomme, ſchon wieder heiter und ruhig werden.“
Aber Schuldfried täuſchte ſich. In ihre Bank niedergebeugt, betete ſie zwar innig und andächtig, aber das Gebet beſaß nicht dieſelbe beſchwichtigende Wirkung wie ſonſt, denn in ihrem Innern war und blieb es unruhig.
Das Mittagsmahl auf Junta nach der Kirchen⸗
fahrt war ſchweigſam; eine allgemeine Verſtimmung herrſchte vor. Tante Sara glaubte von ihrer Würde geboten daß ſie ſich unzufrieden über Tage zeige. Ueberdieß waren mehrere verdrießliche Umſtände klei⸗ nerer Art eingetreten, ſo z. B. war der Braten an gebrannt und der Eierkuchen ſchlecht gerathen; lauter Entdeckungen welche die Alte um ihren Humor brach⸗ ten. Schuldfried war ungewöhnlich ſtill und ſah traurig aus. Tages Geſicht glich dem Herbſthimmel, ſo trübe war es. Aberney zeigte ſich außerordent lich wortkarg. Man ſah leicht daß die Gedanken des Profeſſors nicht auf ſeine Umgebung gerichtet waren, ſondern daß andere Dinge ihn in Anſpruch nahmen. Nach dem Mittageſſen nickte er Schuldfried und Tage zu mit den Worten:
„Ihr müßt euch eine Weile auf eigene Fauſt


