251
Perſon würde leicht bemerkt haben daß in dieſer Art wie Aberney dem jungen Mädchen das Geleite gab eine ſorgfältige Wachſamkeit lag. Mit jedem Tag welcher verging ohne daß ſie mit dem Fremd⸗ ling zuſammentraf, wurde ſie unruhiger, beſonders da ſie einige Male einen Schimmer von dem weißen Pferde im Wald zu ſehen meinte. Zwei Wochen vergingen. Es war Sonntag. Schuldfried ſollte
nit Tante Sara in bie Kirche gehen und Tage hatte
ſie ſchon ganz frühe in Ektorp abgeholt. Tages Benehmen gegen die Spielgenoſſin war zugleich züärtlicher und weniger vertraulich geworden. Am Morgen war er außerordentlich abgemeſſen. Als ſie durch den Wald fuhren, bemerkte er:
„Kannſt Du mir ſagen wer der junge Mann iſt der beinahe täglich durch den Wald von Ektorp rei⸗ tet?“ Seine Augen ruhten forſchend auf Schuld⸗ fried, deren Geſicht bei dieſer Frage von einer dun⸗ keln Röthe übergoſſen wurde.
„Ich weiß nicht wer es iſt,“ antwortete Schuld⸗ fried verlegen.
„Haſt Du ihn nie geſehen?“
„Doch.“
„Wirklich? Und Du kennſt ihn nicht weiter?“
„Doch, ich kenne ihn.“
„Du hätteſt die Wahrheit nicht gut abläugnen können, da Deine ſtarke Röthe ſie bereits zu erken⸗ nen gab. Aber wenn Du ihn kennſt, ſo weißt Du wohl wer er iſt?“
„Tage, jezt biſt Du unbeſcheiden,“ rief Schuld⸗
fried, indem ihr das Weinen in den Hals kam.„Ich augne die Wahrheit nie, und wenn ich ſage daß ich
—
———
—


