Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 1. Band (1862)
Entstehung
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zen ſein müſſen, da ich gerade jezt Sie verlaſſe. Gute Nacht und Dank! Im nächſten Augenblick war er verſchwunden und Schuldfried ging langſam nach Huuſe. Ein liebliches unruhiges Gefühl erfüllte ihre Bruſt und machte ihr Herz ſchneller ſchlagen als gewöhnlich. Sie war glücklich und doch nicht glücklich. Sie empfand

ein großes Bedürfniß zu ihrer Mutter zu gehen, ihr

Haupt an ſie lehnen und ihr erzählen zu dürfen wie unbegreiflich ſie ſich ſelbſt vorkomme; aber als der Morgen von Neuem anbrach und Schulbfried

vor der Mutter ſtand, die heute bleicher war als

gewöhnlich, da erſchien es ihr wieder unmöglich von ihren jugendfriſchen Eindrücken zu ſprechen.

Frau Smith küßte ihre Tochter auf die Stirne, und es ſchien Schuldfried als ob ihre Lippen zitter⸗ ten. Das junge Mädchen ſchaute haſtig auf und umſchlang ſie, indem ſie mit bittender Stimme ſagte:

Mutter, ſprich zu mir! Heute iſt Dein Auge trauriger als gewöhnlich und Deine Lippen zittern vor Schmerz. O ſag, kann ich Nichts thun um Dein Leiden zu lindern? 3

Ja, ſei immer heiter und glücklich. Dieß iſt das einzige Linderungsmittel das ſich für mich findet.

Frau Smith küßte die Tochter wieder und Schuld⸗

fried wagte Nichts mehr zu ſagen.

Nachmittags kam Tage mit dem Wagen um Schuldfried abzuholen. Einige Tage vergingen ohne daß ſie mit dem Fremden zuſammengetroffen wäre⸗ Jeden Mittag wurde ſie entweder von Aberney ſelbſt oder non Tage abgeholt und am Abend gewöhnlich von Beiden nach Ettorp begleitet. Eine erfahrene