Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 1. Band (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

248

Chaiſe, reichte Schuldfried die Hand um ihr heraus⸗ zuhelfen, drückte ſie zum Abſchied und ſagte:

Darf ich Dich morgen Mittag abholen?

Ja ganz gewiß. Schuldfried nickte freundlich und entfernte ſich. Tage knallte mit der Peitſche und eilte davon, während Schuldfried ihren Weg bis zu einer kleinen Bank weiterging die am Fuß eines Baumes ſtand. Dort ſezte ſie ſich. Ein leichter Seufzer hob ihre Bruſt. Sie legte die Hände zu⸗ ſammen und dachte:

Mein Gott, wenn ich nur ihn ganz kurz zu ſehen bekäme!

Guten Abend! klang es in dieſem Augenblick hinter ihr. Sie fuhr zuſammen und wandte ſich haſtig um: da ſtand Lothar, ſo bleich und ſo traurig.

Ach wie angenehm! rief Schuldfried; ihr gan⸗ zes Geſicht ſpiegelte die lebhafteſte Freude zurück. Nun erheiterte ſich auch Lothars Blick und er ant⸗ wortete mit einem wehmüthigen Lächeln:

Haben Sie Dank für dieſe Worte! Ach wenn Sie wüßten wie unglücklich ich mich heute gefühlt habe! Er ſezte ſich an ihre Seite.Noch ein Tag wie dieſer, und ich bin in einen wahren Dämon verwandelt. Er ergriff ihre Hand.Sagen Si mir in dieſem Augenblick daß Sie wirklich ⸗Freund⸗ ſchaft für mich hegen. Ach! geſtern wollte ich ihr entſagen, und heute ſcheint mir Ihre Freundſchaft nicht einmal zu genügen. Wie Vieles kann nicht ein Tag bringen! Er ſchloß Schuldfrieds Hand zwiſchen die ſeinigen.Warum muß ſich immer ſo viel Bitterkeit in unſere reinſten Freuden miſchen? ½ warum durfte ich nicht die friedlichen Eindrücke be⸗