Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 1. Band (1862)
Entstehung
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gen Leü en im Salon und rauchten ihre Pfeifen⸗ Harm hatte Haushaltungsgeſchäfte bekommen die ſie in der Küche aufhielten. Als ſie in den Saal tre⸗ ten wollte, hörte ſie Aberney ſagen:

„Siehſt Du, Ehrmann, daß ich doch von An⸗ fang an Recht hatte, als ich Dir von Deiner Hei⸗ rath mit Roſa abrieth? Aber Du warſt eigenſinnig.“

„Und dafür habe ich auch büßen müſſen. Meine Ehe war ſo unglücklich, daß ich ſeit meiner Wittwer⸗ zeit ſchon manchmal Gott für die Erlöſung aus die⸗

ſen Banden gedankt habe.“

„Ich dagegen werde nie aufhören Debora zu ver⸗ miſſen.“

„Das iſt natürlich; denn wo gegenſeitige Liebe iſt, da iſt auch Glück; aber wo dieſe fehlt, da iſt der Tod die einzige Rettung die man hoffen kann.“

Harm ſtand lange unbeweglich da, ohne weiter von dem Geſpräch zu hören. Sie wiederholte:

„Wo Liebe fehlt, da iſt der Tod der einzige Ret⸗

ter der übrig bleibt; das Beſte iſt alſo zu ſterben?“ Dieſe lezten Worte hatte ſie, ohne es beinahe zu wiſſen, laut ausgeſprochen. „Ganz und gar nicht,“ antwortete eine freund⸗ liche Stimme, und ſie fühlte ein Paar Hände die ſie um den Leib faßten. Es war Victor, der aus Abo gekommen war um auf einige Wochen zu Hauſe zu bleiben. Er präparirte ſich aufs Examen.

Von dieſem Tage an wurde Haim unruhig und launiſch. Es war als ginge ein ſchwerer Kampf in ihrem Innern vor.

Victor entdeckte während ſeines Aufenthaltes zu Hauſe bald daß Harm einen Kummer hatte; aber,