Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 1. Band (1862)
Entstehung
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aber in dieſem Augenblick kam eine Magd herein. Harm ſtellte ganz haſtig die Flaſche weg und ſchloß

Tropfen von dieſer Flüſſigkeit hier und die Lebens⸗ lampe erliſcht augenblicklich.“

„Iſt es Gift?“ fragte Harm.

„Ja, und dazu eines das augenblicklich tödtet.“

Caſpar ſchloß den Schrank und legte den Schlüſ⸗ ſel in ſeine Tiſchſchublade. Als er ſich entfernt hatte, zog Harm den Schlüſſel hervor und öffnete den Schrank. Sie nahm die Flaſche und betrachtete ſie,„ während ſie in Gedanken die Worte ihres Mannes wiederholte:

„Einige Tropfen davon und die Lebenslampe er⸗ liſcht! Und ich könnte mich alſo von einem Leben befreien das mir unerttäglich wird! Wer würde mich vermiſſen? Niemand. Einige Wochen nach meinem Tode wäre ich vergeſſen. Ich habe kein Kind und folglich kein Band das mich ans Leben knüpft.“ Sie griff nach dem überbundenen Glaspropf,

den Schrank. Dieß geſchah indeß nicht ſchnell genug, denn die Magd bemerkte ihre Bewegung.

„Herr Aberney wünſcht Sie zu ſprechen,“ ſagte die Magd und warf einen neugierigen Blick im Zim⸗% mer umher.„Der Tauſend, was doch die Frau mit

dieſen Flaſchen zu thun haben mag?“ dachte ſie:„der

Herr hat ja ſo ausdrücklich Jedermann verboten ſie anzurühren.“ Harm erhielt von ihrem Schwiegervater einige 5 Aufträge, in Folge deren ſie in die Stadt zu gehen hatte, was den ganzen Tag in Anſpruch nahm⸗ Abends ſaßen die beiden alten Freunde bei den jun⸗