Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 1. Band (1862)
Entstehung
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„Du ſeufzeſt, Harm,“ ſagte er.„Sollteſt auch

„Ob ich mich nach meinem Heimweſen und mei⸗ nem Manne ſehne. Ja.. Harms Augen ruh⸗ ten forſchend auf Enoch. Sie ſah ihn die Farbe wechſeln und fügte hinzu:„Ich kann nicht ohne Un⸗ ruhe daran denken wie lange Caſpar mich vermiſ⸗ ſen muß.“

„Er liebt Dich noch immer gleich innig?“

„Ja, das thut er gewiß.“ „Und wie wäre es wohl anders möglich? Du gehörſt nicht zu denjenigen die man vergeſſen kann. Ach Harm, Du wirſt es nie verſtehen wie ich Dich geliebt habe und bis in meinen Tod lieben werde.“

Es entſtand eine Pauſe. Harm beſaß nicht die Kraft zu antworten. Tante Sara's Ankunft unter⸗ brach alles weitere Geſpräch.

Zwei Tage ſpäter war Harm abgereist.

Caſpar begrüßte ſeine Frau mit Freude und Herzlichkeit, und es hätte einen angenehmen Eindruck auf Harm machen müſſen ſich noch immer gleich ſehr von ihrem Manne geliebt zu ſehen; aber ſie blieb kalt dagegen und verſchmähte es in ſeiner Er⸗ gebenheit einen Troſt und Erſaz für die ihr von der Pflicht auferlegte Entſagung zu ſuchen. Die junge Frau hatte nicht gelernt daß es hier im Leben für alle Leiden und Oyfer einen Troſt gibt, nämlich das Bewußtſein erfüllter Pflichten. Harm verwarf Alles was ihren innern Kummer verringern konnte, und fand einen Genuß darin im Schmerz gleichſam zu