Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 1. Band (1862)
Entstehung
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Enoch ergriff ſie.

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nicht wagen wollen,“ fügte er mit einem wehmüthi⸗ gen Lächeln hinzu.

„Und warum nicht?“

„Weil ich meiner eigenen und vielleicht auch einer fremden Kraft mißtraute. Ich wäre ſehr unglücklich geweſen, wenn ich bei ihr eine Schwäche entdeckt hätte die den von ihr übernommenen Pflichten zu nahe getreten wäre.“ Enoch ſchien aufgeregt, Harm dagegen vollkommen ruhig

„Eine ſolche Befürchtung, lieber Enoch, iſt mir unerklärlich. Glaubteſt Du daß ſie ihre Gattin⸗ pflichten nicht kenne?“

„Harm, höre mich an,“ rief Enoch lebhaft.„Als man mir ſchrieb daß Du an Deinem Hochzeitstag erkrankt ſeieſt, entſtand in meinem Innern der bit⸗ tere Gedanke daß daß„

„Es war eine heftige Erkältung,“ fiel Harm fro⸗ ſig ein.„Es war nicht der Mühe werth ein ſo großes Gewicht auf Deine und meine Kinderneigung zu legen, die doch nichts Anderes als eine Kinde⸗ rei war.“

„Kinderei!“ wiederholte Enoch ernſthaft.„Ich weiß recht gut daß mein Gefühl gegen Dich von Re⸗ ferer Natur war.“

„Im Fall Du von unſerer Freundſchaft ſprichſt, ſo hoffe ich daß ſie ſtets eine geſchwiſterliche Erge⸗ benheit bleiben werde,“ antwortete Harm mit freund⸗

lichem Lächeln;„aber die Thorheiten die Dich veran⸗

laßten Uleaburg zu verlaſſen hätten Dich nicht abhal⸗ ten ſollen uns zu beſuchen, denn im Ganzen können wir doch darüber lachen.“ Sie reichte ihm die Hand.