41
ſie es jedoch bemerkte, weil ſie nicht ein einziges Mal
auf ihn ſchaute. Harms ſtolzes Herz ertrug es nicht daß er glau⸗
ben ſollte, ſie liebe ihn noch, während er ſelbſt auf⸗
gehört hatte es zu thun. Man machte Spaziergang inlarten. Eines der fremden Kinder brach eine weiße Roſe ab und gab ſie Haum Sie befeſtigte ſie an ihrer Schärpe. In demſelben Augenblick ſchaute ſie auf und war ganz überraſcht Enoch vor ſich zu ſehen. Ueber Wangen, Stirne und Hals flog eine Purpurröthe als ſie ſeinen Augen begegnete. In dieſem Blicke lag Etwas das ſie im Nu in die Vergangenheit zu⸗ rückverſezte, aber es war eine Offenbarung die in der nächſten Secunde verflog; denn Enoch wandte ſogleich ſeinen Kopf ab und ſagte in gleichgiltigem Tone:
„Eine ſchöne Blume das!“
„Ja, mir gefällt die weiße Roſe beſſer als die rothe,“ antwortete Harm.
Sie konnte nicht dieſelbe Macht über ihre Stimme gewinnen wie er. Die übrige Geſellſchaft begann eine lange Er⸗ örterung über rothe und weiße Roſen, und als man bei dieſer Gelegenheit an einen ſchmalen Fußſteig kam der ſich abwärts neigte, ſagte Enoch kächelnd zu Harm:
„Liebe Schwägerin, willſt Du nicht meinen Arm zur Stüze annehmen?“ arm nahm ihn.. Es war das erſte Mal daß er ihr ein ſolch ver⸗ iches Anerbieten machte. War es Irrthum oder


