Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 1. Band (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

. .

derung im Benehmen Harms hervor, die vft ihr lau⸗

39

unbeweglich vor der Thüre ſtehen blieb, und Gott allein weiß wie lange er ſo geblieben wäre, wenn nicht Tante Sara ihn gezwungen hätte ſie nach den Pläzen zu begleiten die ſie neben den Reiſenden be⸗ ſaßen.

Harm hatte Enoch ſogleich bemerkt, und ihre Auf⸗ regung war noch heftiger als die ſeinige. Ein Glück war es für die Bewahrung ihres Geheimniſſes daß Edith und Aberney auch an der Thüre ſaßen und die Aufmerkſamkeit beider auf die Eintretenden ge⸗ heftet war; ſonſt hätte Edith leicht das eigentliche Leiden Harms ergründen können. Jezt konnte ſie ſich einigermaßen erholen, ehe Ediths Augen auf ſie gerichtet wurden. Aberney grüßte Schwägerin und Sohn, dann kam die Reihe an Harm. Tante Sara lächelte, flüſterte der Nichte einige herzliche Worte zu und ſezte ſich neben Schwager Aberney.

„Welche Freude, Harm, daß ich Dich auch wie⸗ der einmal zu ſehen bekomme,“ ſagte Enoch mit un⸗ ſicherer Stimme und nahm Plaz neben ihr,

„Es iſt ſehr lange daß wir uns nicht mehr ge⸗ troffen haben,“ ſtammelte Harm und legte ihre Hand in die ſeinige. Aber nach einem leichten Druck ließ er ſie los und begann dann mit großem Intereſſe nach den daheim Gebliebenen zu fragen.

ð Zwei Wochen lang war Harm täglich mit Enoch zuſamnfen, aber kein Blick, ja nicht einmal ein Zil⸗ tern der Stimme deutete auf eine Spur der frühern Neigung. Das Benehmen Enochs rief eine Verän⸗