Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 1. Band (1862)
Entstehung
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Eines Abends am Ende Juli ſpazierten ein älte⸗ rer Herrund zwei junge Damen im Thiergarten. Eine von ihnen war von ſo ungewöhnlicher Schön⸗ heit, daß überall wohin ſie kam die allgemeine Auf⸗ merkſamkeit ſich ihrer Perſon zuwandte und Jeder⸗ mann flüſterte:

„Welch ein ſchönes Geſicht!“

Nachdem ſie eine Weile auf der Ebene luſtgewan⸗ delt und die ſchöne Dame ihre unruhig forſchenden Blicke der wogenden Volksmaſſe nachgeſandt hatte, ſagte der ältere Herr:

„Jezt iſt es Zeit ins Theater zu gehen; dort treffen wir Enoch beſtimmt. Ich kann nicht begrei⸗ fen daß wir hier nicht auf ihn geſtoßen ſind.“

„Aſſeſſor P.s Mittagsmahl hat ſich wohl länger hinausgezogen,“ ſagte die weniger ſchöne der Damen, die keine andere als Edith war.

„Vermuthlich,“ antwortete ihr Begleiter, in wel⸗ chem wir den ältern Aberney erkennen.

„Ich bin mitgekommen um mich an ſeiner Ueber⸗ raſchung zu erfreuen, wenn er Harm treffen würde.

Als ich ihn geſtern Abend, während ich Edith zur

Schwägerin begleitete, traf, ſagte ich weder ihm noch Sara daß Harm da ſei. Ich wollte ſie gerne heute überraſchen, wenn ſie hier zuſammenträfen.“

Sie ſchlugen jezt den Weg nach dem Thiergarten⸗ theater ein und gingen hinein. Kaum hätten ſie ihre Pläze eingenommen, als ein junger Mann mit

ſchönen, edlen und intelligenten Geſichtszüßen, be⸗

gleitet von einer ältern Dame, eintrat. Seine Augen

fielen ſogleich auf Aberney, Edith und Harm. Der. Anblick der lezteren überraſchte ihn dermaßen daß er