Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 1. Band (1862)
Entstehung
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Ende Juni. Arm in Arm wandelten die beiden Schweſtern dahin.

Edith ſprach von Stocholm, und Harm ging nachdenklich an ihrer Seite. Als ſie nach Lötan kamen, wo viele Jungen aus der Stadt ſich auf dem Felde herumtummelten, ſezte ſich Harm auf einen kleinen Hügel, der von einigen Bäumen beſchattet war. Sie nahm den einfachen Sommerhut ab und unterbrach Edith plözlich mit der Bemerkung:

„Ich bin jezt zwei Jahre verheirathet; wie ſehr habe ich mich nicht verändert!“

„Ja ſehr!“ ſiel Edith lebhaft ein,„aber zu Deinem Vortheil.“

„Das meinſt Du bloß.“ Harm lächelte bitter. „Meine Veränderung kommt mitunter daher daß ich jezt gänzlich paſſiv bin.“ Sie faßte Edith beim Arm und fügte heftig hinzu:„Sprich, haſt Du eine wahre Ergebenheit gegen mich?“

„Ja gewiß; ſeit Deiner Krankheit habe ich Dich lieb gehabt; aber Harm, warum machſt Du eine ſolche Frage?“

„Darum weil Du mir eine Probe Deiner Er⸗ gebenheit ablegen mußt. Höre mich an: Seit mei⸗ ner Krankheit habe ich ein brennendes Verlangen gehabt nach Stockholm zu kommen und dort einen Arzt zu befragen. Ich werde von einem innern Lei⸗ den verzehrt.“ Sie verſtummte und dachte:„Gott allein weiß daß ich jezt die Wahrheit rede.“

Warum ſprichſt Du nicht mit Caſpar darüber?“ fragte Edith und ſah die Schweſter beſorgt an.

„Er würde unruhig werden, und Mama würbde mich mit ihren ewigen Fragen quälen. Nein, Gdith,