Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 1. Band (1862)
Entstehung
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nen und rückhaltſamen Charactere welche die Dunkel⸗ heit lieben; man weiß nie was ſie verbirgt, aber man hat immer Urſache ſie zu fürchten.

Der Grund warum Harm die Geſellſchaft Ediths vorzog und ſich nur bei ihr wohlbefand, lag ganz einfach darin daß die Schweſter im lezten Jahr täg⸗ lich mit Enoch beiſammen geweſen war, der in Stock⸗ holm bei Tante Sara wohnte. Dieß hatte zur Folge daß Edith häufig von dem Vetter ſprach. Sie be⸗ ſchrieb wie er die Abende zubrachte, welche Vergnü⸗ gungen und welche Beſchäftigungen Enoch hatte, wie gut, redlich und talentvoll er war u. dgl. Harm lauſchte aufmerkſam auf jedes Wort, gleich als fürch⸗ tete ſie ein einziges davon zu verlieren. Oſt veran⸗ laßte ſie Edith dieſelbe Sache mehrere Male zu er⸗ zählen, ohne daß Edith bemerkte daß dieß um Enochs willen geſchah. Harm gab ihrem Wunſche das An⸗ ſehen als wollte ſie ſich das Leben in der Haupt⸗ ſtadt recht klar vergegenwärtigen.

Enoch beſaß eine ſchöne Stimme, und alle Lieder die er zu ſingen pflegte ſang auch Edith. Es war ein Troſt für die arme Harm ſie zu hören. Die Folge war daß ſie unwillkürlich den Wunſch äußerte, Edith möchte bei ihr bleiben, was indeſſen der Va⸗ ter und Tante Sara entſchieden verweigerten, weil Edith nach Stockholm zurück müſſe um ihre Sprach⸗ und Muſikſtudien zu vollenden.

Als Harm nach Verlauf zweier Monate wieder geſund war, kehrten Edith und Tante Sara nach Schweden zurück, und jezt fühlte ſich Harm ſo ent⸗ ſezlich einſam daß ſie nur mit Ueberdruß ihrer Zu⸗ kunft entgegenſah.

Schwartz, Schuld und Unſchuld. I. 3

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