Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 1. Band (1862)
Entstehung
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der Hand vor ihr. Das junge Mäbdchen eine eigenthümlich unangenehme Aufregung beim Anblick deſſelben. Sie konnte ſich nicht erklären warum, aber ſie ahnte daß er etwas Trauriges ent⸗ halten würde.

Es iſt entſezlich, liebes Herzchen, wie lange Du heute geſchlafen haſt, ſagte die Amme, die jezt, nachdem Edith von ihr genommen war, ihre ganze Ergebenheit auf Harm übergetragen hatte.

Was für einen Brief haſt Du da? fragte Harm mit tiefem Athemholen. Sie fühlte ſich ſo wunderlich beklommen..

O es iſt bloß eine Bagatelle. Enoch Aberney übergab mir ihn. Er iſt vor ein Paar Stunden abgereist.

Abgereist! rief Harm, indem ſie ſich heftig im Bette ſezte.Wohin?

Ich weiß nicht. Er ſagte bloß, er müſſe ab⸗ reiſen, und ſo ſah ich Herrn Aberney und ihn um ſieben Uhr wegfahren.

Harm ſtreckte die Hand aus und nahm den Brief. Sie dachte:

Sie ſind wohl nach dem Landgut des Onkels gefahren.

Jezt erbrach ſie das Siegel. Das Schreiben war lang und Harms Augen flogen über die Zei⸗ len; aber je länger ſie las, um ſo bewölkter wurde hre Stirne, um ſo bleicher ihre Wangen, und als ie fertig war, warf ſie ſich unwillkührlich auf das

ſen zurück und brach in ein wildes heftiges Wei⸗ nen aus, während ſie krampfhaft den Brief zuſam⸗ mendrückte. Die Amme war weggegangen, ſo daß