als der Geſang vorüber war, das Kind auf den“ Kopf tätſchelte und freundlich ſagte:
„Du ſingſt recht artig.“
Damit verließ er haſtig das Zimmer und ging in die Apotheke hinab. Eine halbe Stunde ſpäter kam Victor Aberney hereingeſtürzt und rief:
„Tante Roſa ſchlägt Edith ſo ſchrecklich, bloß weil ſie ſich unterſtanden hat zu ſingen. Komm, komm, ſonſt geht es nicht gut!“
Und mit einem Ausdruck der Verzweiflung er⸗ griff er Ehrmanns Arm und zog ihn mit ſich. Als ſie in den Salon hinaufkamen, hörten ſie aus dem Wohnzimmer erſticktes Klagen und Schluchzen. Ehe Ehrmann hineinkam, war Victor vorange⸗ ſprungen und hatte die Thüre aufgeriſſen. Der t Junge ſah ganz wild aus. Mit einem Sprung war er an Frau Ehrmann, die im größten Zorn Ebith mit einer großen Birkenruthe züchtigte. Augenblick⸗ lich war ihr die Ruthe aus der Hand geriſſen, und mit einer von Aufregung zitternden Stimme rief der Junge unter Thränen:
„Jezt ſollſt Du die arme Edith nicht mehr ſchla⸗ gen, Tante!“ In ſeinem Grimm zerriß Victor die Ruthe und warf die Stücke Frau Roſa, die ihn ganz verblüfft betrachtete, zu Füßen. Sie hatte den Rücken 8 der Thüre zugewandt, ſo daß ſie ihren Mann erſt bemerkte, als er fragte:
„Warum ſchlägſt Du das Mädchen?“
Edith, die an dieſem Tag mehr als gewöhnlich Schläge bekommen hatte und ganz dunkel ahnte daß ſie jezt in dem Vater einen Beſchüzer erhalten würd antwortete unter heftigem Schluchzen:


