Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 1. Band (1862)
Entstehung
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Thüre hinter ſich zu.

21

fragte Ehrmann, indem er ſie ihr reichte. Schwei⸗ gend kam das Kind der Aufforderung nach.

Nun warum wünſcheſt Du mir nicht gute Nacht?

Einen Augenblick ſah ſie ihn an, als wollte ſie den Ausdruck ſeiner Züge erforſchen. Dann ſagte ſie:

Gute Nacht, Papa!

Dieß war das erſte Mal daß ſie dieſe Worte ausſprach, und Gott allein weiß was ſich dabei im Innern des Mädchens regte; aber im ſelben Augen⸗ blick wo ſie über ihre Lippen kamen, ſtürzten Thrä⸗ nen die Wangen hinab, und ohne zur Mutter ein Wort zu ſagen, ſprang ſie aus dem Salon und in das Wohnzimmer, das zugleich das Schlafgemach der Mädchen war. Dort warf ſie ſich auf ihr Eihen und ſchluchzte laut, während Harm mit ihr zankte.

Warum habe ich nie erfahren daß das Mäb⸗ chen Stimme hat? Du weißt daß ich den Geſang ſehr liebe, ſagte Ehrmann zu ſeiner theuern Hälfte, als ſie allein waren.

Weil Du nie Etwas von ihr wiſſen wollteſt, antwortete Frau Roſa ſchnauzig;im Uebrigen iſt

man noch kein Meerwunder wenn man ſingen kann.

Das gehört nicht hieher, und ich verbitte mir alle unnöthigen Redensarten. Du weißt daß ich Deine Deckamationen nicht leiden kann.

Ehrmann ging ins Schlafzimmer und ſchlug die