Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 1. Band (1862)
Entstehung
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Ich will euch ein Lied ſingen, ſo lange ihr wartet.

Edith! rief Harm, indem ſie wie raſend auf⸗ flog,wenn Du ſingſt, ſo ſag ichs ſogleich Mama.

O das läſſeſt Du wohl bleiben, ſo lange die Tante da iſt. Damit ſprang Edith an die Ver⸗ bindungsthüre zwiſchen dem Salon und dem Wohn⸗ zimmer. Ehe eines der andern Kinder Etwas ahnte, öffnete ſie dieſelbe, ſtellte ſich auf die Schwelle des Salons und ſang aus vollem Halſe ein damals ſehr beliebtes Volkslied.

Auf dem Sopha im Salon hatten die beiden Frauen ſich niedergelaſſen, und vor einem der Fen⸗ ſter ſaßen die Herren bei ihrem Brettſpiel. Als die klare, ſchöne Stimme des Kindes erſcholl, wandte ſich Ehrmann raſch um. Es war das erſte Mal daß er ſie hörte, und dennoch war Edith neun Jahre alt.

Roſa wurde bleich und dann purpurroth vor Aerger; ſie warf ihrer Tochter einen raſenden Blick zu. Die Kleine ihrerſeits hatte ihre Augen mit einem herausfordernden Ausdruck auf die Mutter gerichtet.

Harm verbarg ihr Geſicht in den Händen und

weinte bitterlich. Caſpar und Enoch ſuchten ſie zu

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tröſten, während der kleine Victor mit einem ächten Spizbubenlächeln der verzweifelnden Harm zuflüſterte: F das ſchmeckt nicht näch Zuckerbrod? Hi, hi, hi!

Der Geſang verſtummte, und der Schall eiter Ohrfeige welche Caſpar recht nachdrücklich dem klei⸗ nen Victor applicirte, bildete den Schlußaccord.

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Schwartz Schuld und Unſchuld. x. 8