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Mit ihrem dunkeln Lockenhaar, ihren großen ſtrah⸗ lenden Augen und ihrer roſigen Geſichtsfarbe war ſie eine prächtige Knofpe die ſich mit der Zeit zu einer üppigen Roſe zu entfalten verſprach. Lebhaft, heftig, leidenſchaftlich und herrſchſüchtig, hätte das Kind bei einer klugen und verſtändigen Mutter manche Beſorgniſſe erregen können, weil ihre ganze zukünſ⸗ tige Richtung von der Sorgfalt abhing womit ſie in ihren früheſten Jahren erzogen wurde, von den Gewohnheiten die ſie da annahm, und den Beiſpie⸗ len die ſie erhielt. Bei einer ſchwächen Mutter, die gegen ihre Fehler blind war und in dem Willen des Kindes ihr einziges Geſez erkannte, mußte Harm, obſchon mit einem reichen Verſtand und einem ſehr aufopferungsfähigen Herzen ausgeſtattet, dennoch nur eine willige Sckavin ihres Egoismus und ihrer Wünſche werden. Wohin leztere ſie führen konnten, wenn ſie ihnen niemals einen Zügel anlegen lernte, ließ ſich unmöglich zum Voraus berechnen, aber gleich⸗ wohl war vorherzuſehen daß ſie dadurch ſich ſelbſt und Andere ins Verderben ſtürzen konnte. Sie be⸗ ſaß eine ſchnelle Auffaſſung und lernte mit großem Intereſſe. Schon früh war eine geſchickte Gouver⸗ nante aus Stockholm angenommen worden um ſie zu unterrichten. Sie machte erſtaunliche Fortſchritte und war mit zehn Jahren ein kleines Meerwunder. Sie tanzte wie ein Engel, ſpielte mit außerordent⸗ licher Ferkigkeit, zeichnete allerliebſte Landſchaften, ſtickte die zierlichſten Blumen und ſprach einige fran⸗ zöſiſche Phraſen; genug, die zehnjährige Harm war ein Genie, und wenn Papa Abends in Geſellſchaft ging und Mama Cafeſchweſtern bei ſich hätte, ſo


