Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 1. Band (1862)
Entstehung
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zu lenken geſucht wie ſehr Edith in jeder Beziehung zu Hauſe verwahrlost werde, aber ohne Erfolg. Der Schweſter antwortete er:

Liebe Debora, ſorge Du für Deine Kinder und kümmere Dich nicht um die meinigen.

Gegen Aberney hieß es:

Da ich dafür ſorge daß ihr und ihrer Schweſter Nichts fehlt, ſo kann ich das Uebrige wohl der Ob hut der Mutter überlaſſen. In beſſern Händen als in denen der Mutter kann ein Kind nicht ſein.

Daß dieſe Mutter ihr Kind ſchlecht beſorgte, da⸗ von nahm Ehrmann gar keine Notiz, und da er mit den Jahren ein ganz harter Eheherr geworden war, ſo verlor Aberney alle Luſt ihn darüber auf⸗ zuklären wie ſchlecht Roſa ihren Mutterpflichten nach⸗ kam. Er fürchtete das Verhältniß zwiſchen den Gat⸗ ten noch zu verſchlimmern. Ein anderes Mittel mußte alſo erſonnen werden um das arme Kind in eine beſſere Stellung zu bringen. Debora und ihr Mann hatten eben beſchloſſen Roſa und Ehrmann zu beſtimmen daß ſie das Mädchen ihnen überlaſſen möchten, als der Zufall durch einen an ſich unbe⸗ deutenden Umſtand eine gänzliche Umwälzung in Ediths Leben hervorrief.

Ehe wir darüber berichten, müſſen wir Einiges von Harm ſagen. So ſtiefmütterlich Edith von der Ratur behandelt ſchien, ſo reich war dagegen Harm ausgeſtattet. Schon als Kind beſaß ſie eine ungewöhnliche Schönheit und jene angeborne Anmuth in ihren Bewegungen und ihrem ganzen Weſen welche das Kind, Mädchen oder Weib das ſie beſizt zu einem bezaubernden Geſchöpfe macht.